Geschichte Gebirge

Krkonoše – das Riesengebirge – war lange ein Gebiet, welches abseits des Interesses um eine Kolonisation stand. Für das Altertum ist das Gebirge, sowie das unmittelbar an seinem Fuße liegende Gebiet, beinahe archeologisch steril. Dieser Stand dauert bis lange in die Zeit des Mittelalters an, wo ein tiefer Forst das Gebiet am Fuße des Gebirges und auch das ganze ausgedehnte Gebiet bis zum Kamm des Zvičín, Kumburk, Tábor und Kozákov bedeckte.

Die ersten menschlichen Ansiedlungen entstanden an der Forstgrenze, welche stellenweise durch Talfluren entlang der Flussläufe durchdrungen war, nach Landespfaden. Deren werden in unserem Gebiete zwei vorausgesetzt; und zwar als weniger bedeutungsvolle Wegzweige über Náchod nach Glatz und Schlesien. Einer von ihnen führte über Mostek durch das Tal der Labe (Elbe) nach Chotěvice, Pilníkov, Vlčice, Horní Staré Město und den Ausläufer von Žacléř über den Libava-Sattel nach Schlesien.
Krkonoše (Riesengebirge)

Über einige von ihnen führte wahrscheinlich der Einfall des Boleslav Křivoústý nach Böhmen im Jahre 1110, der von dem Kroniker Kosma und auch dem polnischen Gall Anonym beschrieben wird.Mann muss also mit einer ersten stärkeren Kolonisationswelle in das Gebiet am Fuße des Gebirges, welche zweifellos slawisch war, vor der Hälfte des 13. Jahrhunderts rechnen.

Die Gebirgskämme jedoch waren wohl öde. Als ganz problematisch muss man die örtliche Sage aus der Feder des Kronisten Simon Hüttel aus Trutnov betrachten über den Entstand der örtlichen Gemeinden in der Gegend von Trutnov zu Beginn unseres Jahrtausendes. Sie reflektiert die spätere Situation in der Hälfte des 13. Jahrhunderts. Konstruiert ist die sogenannte autochtonische Theorie einiger deutscher Wissenschaftler, welche durch kein örtliches archeologisches Material bewiesen ist. Sie folgert, dass beim Eindringen der Slawen in das Innere von Böhmen im 5. und 6. Jahrhundert sich die Reste der germanischen Bevölkerung aus dem Innern des Landes in die Bergtäler des Krkonoš (Riesengebirges) begeben haben und die Sudetendeutschen daher direkte Nachkommen der Markomannen sind.

Sie steht auf der hinfälligen These, dass einige geografischen Bezeichnungen „urgermanischen“ Ursprungs sind, z.B. Úpa, Metuje und weitere.Die vorwiegend deutsche Bevölkerung, aber nicht nur sie allein, bildete eine zweite Kolonisationswelle am Fuße des Gebirges an der oberen Úpa und Labe (Elbe) in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts.

Es war dies später als im benachbarten Schlesien, wo günstigere Bedingungen waren. Es entstand eine große Anzahl von landwirtschaftlichen Ansiedlungen, es wuchsen aber auch Markt- und Gewerbezentren städtischen Charakters mit Schanzen, wie Trutnov (im J.1260), Hostinné (um 1270). Es bilden sich die ersten Voraussetzungen für das Vorrücken des Menschen auf die Kämme des Riesengebirges.

 

Die Berge bieten Schätze an.

Der ursprüngliche Urwald aus Buchen, Fichten, Tannen und die umfangreichen Waldbestände an Knieholz verhinderten sicherlich lange den Zutritt in die Berge. Ging das Heer des Boleslav Křivoústý im Jahre 1110 direkten Weges über den Kamm, was die Beschreibung des Heerzuges beweist, oder anderszu, der Herrscher verdient mit vollem Recht die Bezeichnung polnischer Hannibal. Die ersten Menschen, neben einsamen Jägern, welche in die Natur des Riesengebirges vordrangen, waren Sucher von Gold, Silber, Edelsteinen und Erzreichtum. Die Bergleute aus dem Riesengebirge werden erwähnt auf der Seite der schlesischen Fürsten im erfolglosen Kampf gegen die Tataren auf dem Lehnické-Feld im Jahre 1241. Es ging jedoch eher um Erzgräber aus der Umgebung der schlesischen Seite des Riesengebirges, vor allem aus der Umgebung von Kowar.

Im 14. und 15. Jahrhundert kommen ins Riesengebirge Fremde, die sich von der heimischen Bevölkerung am Fuße des Gebirges durch ihre Sprache unterscheiden und hier eine Prospektortätigkeit durchführen. Sie werden Wallen – Vlaši genannt. Nach ihnen blieben fantastische schriftliche Aufzeichnungen der Wege zu den Lagern der „Schätze“ erhalten, die sogenannten Wallenbücher und an einigen Orten im Terrain die in Felsen ausgehauenen rätselhaften Orientierungszeichen, vor allem an der Nordseite des Riesengebirges. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts (1511) kommen nach Trutnov Bergleute aus Meissen und nach der erfolglosen Förderung in der Umgebung der Stadt verschieben sie sich in den Obří důl (Riesengrund) unterhalb der Sněžka (Schneekoppe).

In dieser Zeit wird auch im Zentralteil des Riesengebirges gefördert, im Oberlauf der Labe (Elbe) wo im Langengrund zwischen Kozí hřbety (Ziegenrücken) und unter dem Abhang des Stoh eine Bergmanns-Ansiedlung Svatý Petr existiert (jetzt Teil von Špindlerův Mlýn) und auf den Rýchory.

„Grafen“-Krieg und Befestigung der Grenzen der Herrschaft und des Landes.
Um die Landschaft teilen sich im Verlaufe des Dreissigjährigen Krieges und danach im 17. Jahrhundert neue adelige Eigentümer, zumeist aus den Reihen des fremdländischen katholischen Adels. Das westliche Riesengebirge und die Herrschaft Jilemnicko-Bransko nach dem Grafen Harant aus Polžice und Bezdružice gewannen die Harrachs. Der Fluss Labe (Elbe) war der grobe Trennpunkt zwischen ihnen und der Herrschaft Vrchlabí, welche den zentralen Teil des Riesengebirges umfasste. Es erhielt der Graf J.R. Morzin vom Kaiser für Soldatendienste.

Das östliche Riesengebirge, ursprünglich königliches Eigentum, mit dem Sitz in Maršov gewann Jan Jakub de Waggi und nach ihm wechselten sich oft weitere adelige Geschlechter ab. Es tritt die Notwendigkeit hervor fest eine Grenze zwischen ihnen festzusetzen, denn bislang war sie nur ungefähr und eine feste Absteckung in der Einöde hatte keinen großen Sinn.

Nun kommt es zu Streiten, anfangs Scharmützel des Waldpersonals, Viehdiebstählen und anderen Gewalttaten. Die Unklarheiten zwischen den Herrschaften Branná und Vrchlabí wurden durch eine Vereinbarung im Jahre 1690 gelöst.Schwieriger war es die Grenze zwischen der Herrschaft der schlesischen Magnaten Schaffgotsch und den böhmischen Eigentümern festzusetzen. Die ersten beanspruchten den ganzen Grenzkamm, das ist bis zum Oberlauf der Labe (Elbe) und der Bílé Labe (Weissen Elbe) bis ins Tal, einschliesslich der Gegenden ihrer Quellen. Die Grenze verlangten sie den Flüssen entlang.

In den Streitfall griff durch sein Gutachten auf Ansuchen der Morzinis auch der gelehrte Jesuit Bohuslav Balbin ein. Im Jahre 1710 wurde gerichtlich entschieden, dass die Grenze zwischen den böhmischen Herrschaften und der Herrschaft Chojník (Kynast) dem Grenzkamm entlang führen wird, also dort, wo jetzt die Staatsgrenze ist.In die Befestigung der heutigen Staatsgrenze griffen auch zwei Ereignisse auf dem Kamme des Riesengebirges ein. Obzwar sie nach aussenhin religiösen Charakter hatten in der Ausdehnung des kämpferischen und siegreichen Katholizismus, ihre Hauptbedeutung beruhte in der eigentumsrechtlichen und politischen Sphäre. Die Kapelle auf der Sněžka (Schneekoppe), aufgebaut mit großen Schwierigkeiten in den Jahren 1665-81, wurde nicht nur das Ziel frommer Pilger aus beiden Seiten des Riesengebirges aber auch die klare Grenzabsteckung des Dominiums des neugebackenen Katholiken Kryštof von Schaffgotsch, dem es um die Erhaltung des Erbes nach seinem Vater Jan ging, einem Nichtkatholiken, der in die Wallenstein-Verschwörung gegen den Kaiser verwickelt war und dafür in Regensburg hingerichtet wurde.

Aus der anderen Seite aus Böhmen kam die Initiative von den Morzinis aus Vrchlabí und mit Teilnahme der Braner Obrigkeit. Im Jahre 1684 weihte nach Reiseplagen der Bischof Jan von Tallemberg die Elbquelle, wodurch entschieden offenbart wurde, dass das Gebiet der Elbewiese zur ostböhmischen geistlichen Metropole gehört, und daher zu Böhmen, keinesfalls zu Schlesien.

Die erste Republik und der zweite Weltkrieg

Die Entstehung der Tschechoslowakischen Republik im Jahre 1918 nach dem Zerfall der österreich-ungarischen Monarchie der Habsburger nahm die deutsche Bevölkerungsmehrheit im Riesengebirge sehr ungern an, aber passte sich bald den neuen Verhältnissen an. In der zweiten Hälfte der Zwanzigerjahre im Zeitraum der wirtschaftlichen Belebung kommt es zu einer Reihe von Umbauten der Gebirgsbauden zu den komforten Hotels, die imstande sind einen ganzjährigen turistischen und skisportlichen Betrieb sicherzustellen. Neben deutschen Unternehmern beginnt auch nach und nach das tschechische Element sich auf den Bergkämmen geltend zu machen. Auf der Labská bouda (Elbfallbaude) wirkt die Familie Hlouškova, auf der Vosecká bouda (Wosseckerbaude) und später auch in Harrachov tritt nach Rückkehr aus der tschechoslowakischen Legion sein Schwager Herčík an. Der Bund der tschechoslowakischen Offiziere baut auf der Výrovka (Geiergucke) die Havlova Baude.

Nach dem Bau der ersten Riesengebirgsseilbahn von Jánské Lázně auf Černá hora (Schwarzenberg) im Jahre 1928 entsteht eine Gipfelenklave der Volské Bauden, die damals moderne Sokolbaude und das Berghotel. Zur allseitigen Entwicklung auf dem Niveau eines internationalen Gebirgsmittelpunktes kommt es in Špindlerův Mlýn, hauptsächlich durch den Verdienst des hiesigen Arztes und nach dem Kriege langjährigen Bürgermeisters Dr. Wilhelm Pick.

Diese versprechende Entwicklung hemmte etwas die Wirtschaftskrise zu Beginn der dreissiger Jahre. Nach Antritt des Faschismus in Deutschland im Jahre 1933 unterschützte ein Grossteil der deutschen Bevölkerung nicht nur im Riesengebirge aber auch anderswo im Grenzgebiet mit ihren Stimmen bei den Wahlen im Jahre 1935 Henleins Sudetendeutsche Partei, (SdP), welche ihre Tätigkeit zunächst auf die Abtrennung des Grenzgebietes und dann auf die Liquidierung der Tschechoslowakei richtete.Die Regierung eröffnete den Aufbau von Grenzbefestigungen zur Verteidigung des Staates, darin war auch der Bau der Masaryk-Bergstraße eingegliedert, über die Mísečky auf den Krkonoš. Die Befestigungen aus Eisenbeton bildeten eine beinahe zusammenhängende Verteidigungslinie auf dem inländischen Gebirgskamm, welche in der Zeit der zweiten Mobilisierung im Jahre 1938 von tschechoslowakischen Armeeeinheiten besetzt wurde. In dieser Zeit nach dem Verlassen des deutschen Personals brannten die Luční (Wiesenbaude) und die Rennerbaude ab. Das Münchener Diktat bedeutete die Herausgabe der Grenzgebiete der Republik ohne Kampf an Hitler. In diese Einnahme gerieten auch einige rein tschechische Gemeinden des ehemaligen Bezirkes Jilemnice, wie Víchovská Lhota, Křižlice, Roudnice, Jestřábí und weitere.

Während des zweiten Weltkrieges waren die meisten Hotels, Pensionen und Bergbauden im Riesengebirge mit evakuierten Personen aus den bombardierten deutschen Städten belegt, mit Soldaten der Wehrmacht, die sich nach Verwundungen an der Front erholten, und ähnlich. Einige Objekte dienten als Ausbildungszentren der deutschen Armee, z.B. die Polarstation auf dem Krkonoš – die Jestřábí Bauden, Ausbildungszentrum für Luftwaffespezialistinnen – Luční Baude und Sněžka (Schneekoppe) oder zur Vorbereitung von Schadenstiftergruppen im feindlichen Hinterland – Černá Hora.

Die Loyalität der deutschen Bevölkerung des Gebietes nützten die Ämter des Dritten Reiches aus zur Unterbringung einiger Gefangenenlager für sowjetische und verbündete Soldaten, z.B. in Vrchlabí, Bedřichov und der Špindlerova Bouda (Spindlerbaude), wo sie unter dem rauhen Klima, der schweren Arbeit und schlechter Nahrung zu leiden hatten. Bei einer Reihe grösserer Betriebe am Fusse des Gebirges entstanden zur Sicherung der Produktion Zweigstellen des berüchtigten Konzentrationslagers Gross-Rosen in Schlesien (Gegend von Vrchlabí, Trutnov).

Die tschechischen Patrioten, vor allem im westlichen Teile des Riesengebirges, organisierten illegal den Widerstand gegen den Faschismus und waren in Verbindung auch mit Einzelnen aus den Reihen deutscher Antifaschisten. Ihre Tätigkeit wurde hart unterdrückt durch Eingriffe der Gestapo. Vor Kriegsende operierte im Gebiete am Fusse des Gebirges die Partisanengruppe Nikolaj und die abgesetzten Paraschutisten (fünf sowjetische und fünf tschechische), abgeworfen am 27. März 1945 in Kalensko. Die Rote Armee ging über das Riesengebirge an einigen Stellen am 9. Mai 1945 (Špindlerovka, Královec, Harrachov).